Wenn alles ins Wanken gerät - wo finden wir Halt?
Männer.Feuer.Gespräch am 11. Februar 25

Wenn alles ins Wanken gerät - wo finden wir Halt?
Was gibt uns tragfähige Orientierung in den Krisen unserer Zeit? Zu dieser Frage trafen wir uns am 11. Februar zwischen Gemeindesaal und Kirchengebäude an der Feuerschale. Das etwas feuchte Holz brannte schnell und bald waren wir in einem intensiven Austausch von Erfahrungen, Meinungen, Erwartungen und Befürchtungen. Manchmal kamen Leute mit ihren Hunden vorbei und wunderten sich über uns. Aber das waren wir von früher gewohnt.
Dass wir derzeit eine Wirtschaftskrise mit drückenden Schulden, politischen Umbrüchen bei der Regierungsbildung, immer deutlicheren Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und spürbaren Klimakatastrophen erleben, war allen bewusst. Ebenso war uns klar, dass auch unsere Kirchengemeinde vor Herausforderungen steht:
Das Durchschnittsalter steigt immer mehr und die Zahl der Konfirmanden sinkt. Ein intensives Gemeindeleben ist nicht zu erkennen, denn es gibt kaum Angebote oder Treffpunkte für ein aktives Erleben der Gemeinde. Außerdem wird es wohl bald nur noch einen einzigen hauptamtlichen Pfarrer in Vorarlberg geben. Das Meistern dieser Herausforderungen bedarf die Anstrengung vieler.
In unübersichtlichen Zeiten voller Umbrüche und Krisen suchen wir nach tragfähigen Orientierungspunkten, die für uns Sinn machen. Rund um die Feuerschale waren wir uns einig, dass es hilfreich ist, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse bewusst wahrzunehmen. Das schafft Klarheit und Weitblick. Das ermöglicht das Finden der eigenen inneren Stabilität. Doch in Zeiten mit all den Ablenkungen der Informationsüberflutung und des Konsumrausches wird das kaum beachtet oder gar geübt.
Beim Männerfeuer waren wir uns einig, dass zum Leben der eigenen inneren Stabilität auch eine religiöse oder spirituelle Heimat gehört. In ihr sind relativ unabhängig von äußeren Bedingungen die eigenen Grundüberzeugungen lebbar und in einer Gemeinschaft erfahrbar. Hier könnte unsere Kirchengemeinde viel tun. Angebote zur Begegnung von Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Herkunft neben den ökumenischen Gesprächen fehlen fast vollkommen.
Die für das Gemeindeleben zentralen regelmäßigen Gottesdienste können derzeit nur mit erheblichem Aufwand und nur mit Hilfe vieler Ehrenamtlicher angeboten werden. Darüber hinausgehende regelmäßige Treffen wie Bibelkreise oder Gesprächsrunden über das eigene Glaubensverständnis werden derzeit nicht angeboten.
Entscheidend für das persönliche Wohlbefinden in unsicheren Zeiten ist die ständige Weiterentwicklung der Fähigkeit, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und ihnen aktiv zu begegnen. Dazu ist es gut, sich untereinander auszutauschen und gemeinsam über persönliche Standpunkte, Erfahrungen und Perspektiven nachzudenken. Das regelmäßige Männerfeuer zwischen Gemeindesaal und Kirchengebäude an der Feuerschale gibt uns Männern dazu Gelegenheit.
An diesem Abend war es zwar etwas nasskalt, aber das lodernde Feuer wärmte uns gut. Das gemeinsame Gespräch lief wie von allein, Phasen des Schweigens waren mit Gedanken erfüllt und wir hätten noch länger weiter Sprechen und Zuhören können. So gegen 21.15 Uhr begannen die Letzten, das Feuer zu löschen. Der Rauch verzog sich langsam und zurück blieb nasse Asche in der Schale.